«Verhindern, dass Stress zum Problem wird!»

Ein Schlüsselmechanismus schützt vor Burnout und sorgt gleichzeitig dafür, die beruflichen Herausforderungen kraftvoll zu meistern: Im RUZ Gossau appellierte Dr. med. Engelbert Hillebrand (Chefarzt Klinik Teufen für Psychosomatik) daran, das ausgewogene Wechselspiel zwischen Leistungsabruf und Regeneration konsequent in den Alltag zu integrieren – körperlich, psychisch und emotional.

Einem Thema von hoher Aktualität und Relevanz war eine Abendveranstaltung im RUZ Raiffeisen Unternehmerzentrum in Gossau SG gewidmet: Vor mehr als 70 Unternehmerinnen und Unternehmern ging Dr. med. Engelbert Hillebrand (Chefarzt Klinik Teufen für Psychosomatik) darauf ein, wie Burnout-Risiken möglichst frühzeitig erkannt und reduziert werden können. Nach der jüngsten Publikation des Bundesamts für Statistik (BfS) laufen immer mehr Erwerbstätige in der Schweiz Gefahr, Stress auf Dauer nicht mehr ausgleichen zu können. Während der Anteil der Befragten, die «sehr oft» unter Stress am Arbeitsplatz leiden, zwischen 2012 und 2017 von 18 auf 21 Prozent stieg, gilt innerhalb dieser Personengruppe fast jeder zweite als stark Burnout-gefährdet. Mit seinem Impulsreferat leistete der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im RUZ Gossau einen wertvollen Beitrag, um statistische Aussagen wie diese im betrieblichen Kontext einordnen zu können. Dabei ging er auf eine Wechselwirkung ein, die die Vielschichtigkeit des Phänomens Burnout zum Ausdruck bringt: «Ein Unternehmen ist für einen Mitarbeiter eine Umweltbedingung – der umgekehrte Weg ist uns nicht so prima vista präsent: der Mitarbeiter ist auch für ein Unternehmen eine Umweltbedingung.» So sei der Gesundheitszustand eines Mitarbeiters nicht nur ein persönlicher und volkswirtschaftlicher Faktor, sondern gleichzeitig auch ein Existenzfaktor für den «Organismus Unternehmen». Vor diesem Hintergrund verdeutlichte er, dass Burnout nicht die Folge eines einzelnen Faktums sei: «Die Vorstellung, dass das Burnout-Syndrom nur im Zusammenhang stünde mit Stress oder Herausforderungen im Arbeitsleben halte ich für einen Denkfehler.»

RUZ-Mitglied Philipp Alpiger (Hepart AG) stellt Tools aus dem Konzept »Energy on demand» vor.

Thomas Tanner (re., Coach und Begleiter im RUZ Gossau) erläutert die Inhalte des neuen Fokuskurses.

Natürliche Belastungsgrenze
Dabei verdeutlichte Hillebrand, dass die Entstehung dieses Zustandes tiefer emotionaler, körperlicher und psychischer Erschöpfung oft weder spektakulär, noch kurzfristig sei: «In aller Regel entwickelt sich ein Burnout über Monate, meistens über Jahre hinweg.» Um nicht in diese gesundheitsgefährdende Abwärtsspirale zu geraten, lenkte der Mediziner den Fokus u.a. auf die Regeneration des Gehirns: «Was heute bei den meisten Erwerbstätigen am stärksten gefordert ist, ist das Gehirn – nicht die Muskelkraft. Und dieses Organ ist als Träger rationaler und emotionaler Funktionen erschöpfbar.» In diesem Zusammenhang räumte er mit dem fahrlässigen Irrglauben auf, die Gehirnfunktionen durch blosse Willenskraft «überlisten» und ohne regelmässige Entspannung dauerhaft erhalten zu können: «Jeder Organismus hat eine natürliche Belastungsgrenze, die nicht bei jedem Menschen gleich hoch ist.» Im Gespräch mit salusmed.ch verdeutlichte der Referent, welche Risiken damit im Zeitalter der Digitalisierung einhergehen: «Nach einem 10-Kilometer-Lauf ist die Muskelregeneration selbstverständlich – im Umgang mit dem Gehirn ist das leider nicht der Fall. Digitale Stressoren sowie das Überangebote und die permanente Verfügbarkeit von Informationen überfordern das Gehirn vielfach auch in der Freizeit.»

Objektberaterin Petra Weibel geht auf die wissenschaftlich anerkannte Entstörungs-Technologie ein (Gabriel-Chip).

Widerstandsfähigkeit und Resilienz
Für mehr Achtsamkeit plädierte Engelbert Hillebrand auch im Umgang mit dem Begriff «Stress»: «Stress ist nicht die äussere Belastung – Stress ist die individuelle Bewertung von Belastung und die Art, wie ein Mensch damit umgeht. Das kann individuell stark differieren.» Ob jemand im komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Stressoren gesund bleibt, hängt ihm zufolge massgeblich von seiner persönlichen Widerstandsfähigkeit und damit seinem Grad an Resilienz ab. Aus dieser Perspektive die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden zu fördern und zu erhalten, stelle besondere Herausforderungen an Führungskräfte – auch was das Selbstbild anbelangt: «Als Unternehmer oder Vorgesetzter mit sozialer Verantwortung ist es wichtig, die Rollen klar zu behalten – bei Verdacht auf Burnout sind Sie weder der Arzt, noch der Therapeut Ihrer Angestellten.» Der Vortrag des Facharztes endete nicht ohne klare Antwort auf die Schlüsselfrage, die Kurt Müller (Leiter RUZ Gossau und Begleiter) in seiner Einleitung stellte: «Welchen Beitrag können wir dazu leisten, dass es erst gar nicht so weit kommt – der Unternehmer und die Mitarbeitenden?» Im Zentrum steht dabei die Balance zwischen den Belastungen in der modernen Leistungsgesellschaft sowie den regenerativen Kräften jedes Einzelnen: «Der menschliche Organismus ist konzipiert für einen Wechsel von Leistungsabruf und Regeneration. Dieser Mechanismus verhindert, dass Stress zum Problem wird», so die perspektivreiche Aussage des Gastredners. Klare, transparente sowie unterstützende Unternehmenskulturen sowie Führungsstile mit der Bereitschaft der Selbstreflexion und des Zuhörens stellten dabei seitens der Unternehmen einen wichtigen Beitrag dar.

Marktplatz für Führungspersönlichkeiten
Wie dies gelingen kann, zeigten beispielhafte Angebote aus der Praxis, die an Marktplatz-Ständen präsentiert wurden. Neben den Ausführungen von Annette Nitsche über ZEPRA – einem Dienstleistungsbetrieb des Gesundheitsdepartementes für die Bevölkerung des Kantons St. Gallen – und BGM Ostschweiz, stiessen dort auch die Möglichkeiten der Regulations- und Modernen Orthomolekularen Medizin auf grosses Interesse. So bot sich unter fachkundiger Anleitung von RUZ-Mitglied Philipp Alpiger (Hepart AG) die Möglichkeit, ein neuartiges Analysesystem für einen Stress- und Burnout-Check auszuprobieren (Vieva-Check). Dieser Test war thematisch eingebettet in zwei Tools aus dem Konzept «Energy on demand», das im Lilienberg Unternehmerforum und an der Hochschule Heilbronn (Fakultät International Business) erfolgreich erprobt wurde. Im Mittelpunkt standen dabei die wirksame Anregung des Energiestoffwechsels sowie die Verbesserung der Regenerationsfähigkeit durch personalisierte HCK-Mikronährstoffmischungen. Nach dem Grundsatz «Digital? Ja, aber sicher!» stellte Objektberaterin Petra Weibel die weltweit erste und bislang einzige Entstörungs-Technologie vor, deren Wirksamkeit bei elektromagnetischer Strahlungsexposition auf die Gehirnaktivität wissenschaftlich anerkannt ist (Gabriel-Technologie). Thomas Tanner (Coach und Begleiter im RUZ Gossau) präsentierte den neuen modular aufgebauten Fokuskurs für Unternehmer & Entscheider «Entfalten Sie die Kraft Ihrer Persönlichkeit», der am Mittwoch, 23. Oktober 2019, mit folgenden Themen startet:

Andreas Hefel (Unternehmer und Präsident der Stiftung für Gesundheit und Umwelt, SfGU) wird an diesem Tag praxisnahe Einblicke in biochemische und biophysikalische Grundlagen, Erkenntnisse und Möglichkeiten der modernen Regulationsmedizin geben – auch am Beispiel der Case Study «Energy on demand».

Weitere Kursinformationen: per E-Mail: thomas.tanner@ruz.ch, telefonisch: 071 388 62 00 oder unter ruz.ch

Text: Jürgen Kupferschmid
Bilder: RUZ Gossau