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15. Internationaler Bodenseekongress

15. Internationale Bodenseekongress:

Der moderne Mensch wird nicht krank von dem, was er isst, sondern von dem, was er NICHT isst.

Gemeinsam haben wir eine grosse Aufgabe und viel zu tun – packen wir es an: Was können wir aus den Erfahrungen der Corona-Zeit lernen? Wie sieht die Zukunft nach Corona aus? Tatsache ist, dass sich etwas ändern wird. Nutzen wir die Chancen, die damit einhergehen. Die Krise hat ganz klar gezeigt, dass wir den Fokus auf die Gesundheit richten müssen. An den Internationalen Bodenseekongressen der vergangenen Jahre haben wir stets für diesen Kurswechsel plädiert und werden das auch weiterhin mit Nachdruck tun. Warum ist das so wichtig? Lange vor Corona hat das Bundesamt für Statistik auf die Todesursachen Nr. 1 hingewiesen – z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Krankheiten der Atmungsorgane, Krebserkrankungen. Während der Corona-Krise wurden diese nichtübertragbaren Krankheiten lapidar als «Vorerkrankungen» bezeichnet. Doch was kommt eigentlich danach? Der vorzeitige Tod! Seit Jahren sinkt die Gesundheitsspanne in unseren Breitengraden, das heisst die Anzahl der gesunden Lebensjahre nimmt ab.

Noch vor wenigen Monaten hätte ich nicht hier stehen dürfen, nur weil ich kalendarisch 66 Jahre alt bin. Dabei bin ich kerngesund! Mit all dem dürfen wir uns nicht abfinden. Das können wir so nicht stehen lassen. Gesundheit ist kein Zustand, sondern das Ergebnis hochdynamischer und flexibler Prozesse. Die Determinanten der Gesundheit sind längst bekannt. Entscheidend sind Umwelteinflüsse und der Lebensstil. Hier müssen wir ansetzen – an diesen Stellschrauben sollen und können wir drehen. Wenn wir die Menschen gesund erhalten wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass der Gesundheitsmotor richtig läuft. Wir können die Bevölkerung nicht sehenden Auges in die Krankheit marschieren lassen, um dann die Symptome für den Rest des Lebens medikamentös zu behandeln. Gesundheit stellt sich ein, wenn der Mensch als selbstregulierendes biologisches System im Gleichgewicht ist. 

Dazu müssen die regenerativen Prozesse im Organismus angekurbelt werden und gleichzeitig degenerative Einflüsse, d. h. Umweltbelastungen und Stress, weitestgehend reduziert werden. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die gesunde Balance nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn dem Stoffwechsel ungefähr 300 Hormone und 2’700 Enzyme zur Verfügung stehen. Und das ist nur dann möglich, wenn der Bedarf an essenziellen Cofaktoren optimal gedeckt ist – Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Fehlt auch nur eine einzige dieser Substanzen, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Da die Stoffwechselvorgänge sehr komplex und kompliziert sind, muss der Körper mit sämtlichen Mikronährstoffen versorgt werden. Was wir den Menschen in diesem Zusammenhang sagen müssen: Der moderne Mensch wird nicht krank von dem, was er isst, sondern von dem, was er NICHT isst.

Wurde dies während der Corona-Krise ebenso breit diskutiert, wie die allgemeinen Schutzmassnahmen?! Dabei hat das Bundesamt für Gesundheit bereits im März 2017 offiziell erklärt, dass die Schweizer Bevölkerung sich unausgewogen ernährt. Es herrscht Mangel im Überfluss – und das messen wir seit mehr als 25 Jahren. Alle sogenannten «Vorerkrankungen» haben direkt oder indirekt etwas mit einem Mangel an Mikronährstoffen zu tun. Hinzukommt: Zwischen 2002 und 2012 haben sich in der Schweiz die Gesundheitskosten verdreifacht, die auf Fehlernährung zurückzuführen sind. Vor diesem Hintergrund darf sich niemand über die Folgen wundern, wenn ein Virus auf einen Organismus mit einer stark geschwächten Immunabwehr oder einen gestörten Stoffwechsel trifft.

Wir müssen den Mut haben, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen und neue Wahrheiten zu schaffen. Das erfordert Aufklärung, Information, Vernetzung und Solidarität. Seit mehr als 40 Jahren sehen wir unsere Aufgabe darin, die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Umwelt aufzuzeigen, politisch neutral darüber zu informieren sowie Wertschöpfungsnetzwerke für selbstbestimmte, individuelle Gesundheitslösungen zu knüpfen. Wie halten wir die Menschen gesund? Das ist relativ einfach und auch das Thema des 15. Internationalen Bodenseekongresses: Zusammengefasst gelingt das, indem wir funktionelle Störungen frühzeitig erkennen und beseitigen sowie für eine optimale Regenerationsfähigkeit des Organismus sorgen. Merken Sie sich schon heute den Termin für den 16. Internationalen Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin vor, der am 11. September 2021 stattfinden wird.

Mit herzlichen Grüssen vom Bodensee,
Ihr Andreas Hefel
Präsident der SfGU, Berlingen/Schweiz


16. Internationaler Bodenseekongress: Chronische Erkrankungen erfolgreich vermeiden und ursächlich behandeln

16. Internationaler Bodenseekongress:
Chronische Erkrankungen erfolgreich vermeiden und ursächlich behandeln

Nichtübertragbare Krankheiten belasten uns Europäer schwer. Gemäss SENA (Society of European Nutritionist Associations) sind die fünf wichtigsten dieser Erkrankungen (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen und psychische Störungen) für rund 86% aller Todesfälle und für 77% der aufgewendeten Gesundheitskosten verantwortlich. Durch die moderne (Tabletten-)Medizin sind diese Erkrankungen offensichtlich nicht heilbar. Die Gesundheitsspanne in den meisten europäischen Ländern ist mittlerweile auf unter 60 Jahre gerückt und sinkt weiter. Das sind die Fakten. Die Ursachen für diese Entwicklung sind bekannt, werden von der Politik und der Bevölkerung aber leider sträflich ignoriert und von den Medien meistens verschwiegen.

Fehl- und Mangelernährung, der Verlust an Biodiversität, Schadstoffbelastungen (auch durch Medikamente) und Stress nehmen drastisch zu. Unsere Entgiftungsleistung und Regenerationsfähigkeit nimmt dagegen ab. Stoffwechselstörungen schleichen sich langsam, aber unaufhörlich ein – mit dem Resultat, dass oben genannte Krankheiten sich immer früher manifestieren. Als chronische Erkrankungen werden sie von der etablierten Medizin meistens leider nur symptomatisch bis zum (vorzeitigen) Tod behandelt.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von publizierten Studien, die belegen, dass chronische Erkrankungen erfolgreich vermieden und ursächlich behandelt werden können. Dafür braucht es eine personalisierte Ernährung mit ausreichend Mikronährstoffen, gezielte Bewegung (ca. 10’000 Schritte pro Tag oder 20 Minuten Sport sind ausreichend!), eine Reduktion von Schadstoffbelastungen (z.B. Elektrosmog durch die Gabriel-Technologie) und natürlich der tägliche Einsatz von geeigneten Entspannungsmethoden (z.B. Farben und binaurale Beats mit dem CB12-System). Eigentlich sind das einfache Massnahmen, die jederzeit und von jedem täglich umgesetzt werden könnten. Aber es braucht eine gute Argumentation und professionelle Anleitung.

Das und anderes waren wiederum Themen des 16. Internationalen Bodenseekongresses für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin. Wir haben uns gefreut, unseren „BoKo“ in diesem Jahr am Samstag, 10. September, mit einer Reihe von renommierten Referentinnen und Referenten wieder wie gewohnt durchführen zu können.

Merken Sie sich schon heute den Termin für den 17. Internationalen Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin vor, der am 9. September 2023 stattfinden wird.

Mit herzlichen Grüssen und bis bald am Bodensee,


Ihr Andreas Hefel
Präsident der SfGU, Berlingen/Schweiz

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«Mutig neue Wahrheiten schaffen»

«Mutig neue Wahrheiten schaffen»

Der 16. Internationale Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin stellte den Menschen als selbstregulierendes biologisches System in den Mittelpunkt. Um im Gleichgewicht und damit gesund zu sein, spielt die Energiebereitstellung in den Mitochondrien eine zentrale Rolle. Dies kam deutlich zum Ausdruck und markiert einen mehrfachen Paradigmenwechsel, z.B. im Umgang mit Depression sowie Alzheimer und Demenz.

„Veranstaltungen wie der Internationale Bodenseekongress verbreiten Hoffnung“ – mit diesem zuversichtlichen Statement eröffnete Dr. med. Kurt Mosetter (ZiT – Zentrum für interdisziplinäre Therapien) seinen Vortrag an dieser Fachtagung. Nach einem Jahr Pause lud die Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) nunmehr zum 16. Mal dazu ein, „mehr über Gesundheit, statt über Krankheit“ zu diskutieren. Vor ausverkauftem Haus kamen die rund 200 Gäste im Konferenzzentrum Lilienberg dieser Aufforderung von Andreas Hefel, Präsident der SfGU, nach. Fünf Fachvorträge von hochkarätigen Referenten sowie drei Kurzpräsentationen von Masterarbeiten gaben dazu zahlreiche Impulse aus Wissenschaft und Praxis. Mehrheitlich Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten stehen damit für kontinuierlichen Fortschritt der Regulations- und Modernen Orthomolekularen Medizin. Für Mosetter ist der Bodenseekongress deshalb ein Beispiel, das noch viel mehr Schule machen sollte: „Weiterentwicklung ist nur im transprofessionellen Miteinander möglich, wenn kompetente Leute sich menschlich begegnen, miteinander interagieren und ihr Wissen teilen. So lerne ich jeden Tag dazu.“ In Anbetracht der Herausforderungen könnte die Dringlichkeit kaum grösser sein, Erfahrungswissen entstehen zu lassen, aufzuklären und zu informieren. Prof. Dr. habil. Ulrich Amon (Internationales Hautarztzentrum DermAllegra) richtete in seinem Auftaktvortrag über Autoimmunerkrankungen den Fokus auf die nichtübertragbaren Krankheiten (NCD) – die „Pandemie der Neuzeit, die sich in allen Organsystemen abspielt“. In Europa sind Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und psychische Störungen für ca. 86% der (vorzeitigen) Todesfälle und 77% der Gesundheitsausgaben verantwortlich. Dabei prognostizierte der Dermatologe für die kommenden Jahre eine „dramatische Zunahme von Patienten“, die auf unterschiedlichste Gründe zurückzuführen sei, „insbesondere aber auf eine sehr, sehr einseitige Strategie offizieller Stellen zur Bekämpfung eines Virus“. Stattdessen plädierte er für einen ganzheitlichen Blick: „Vielfach wird bei der Entstehung einer Erkrankung nach der Monokausalität gesucht, doch es ist ein ganzer Strauss von potenziellen Auslösern. Nachdem sich die Gene in den vergangenen 10’000 Jahren so gut wie nicht verändert haben, können wir davon ausgehen, dass es die Epigenetik ist – der Lebensstil, die Ernährung und Umweltfaktoren.“ Wie Mosetter, machte sich auch Amon für interdisziplinäre Zusammenarbeit stark: „Statt Krankheitsbilder in einzelne ,Silos’ zu packen – Gastro, Neuro, Endo, Derma, Rheuma und Augen – sollte mehr miteinander gesprochen werden.“

Dr. med. Kurt Mosetter
ZiT – Zentrum für interdisziplinäre Therapien, Konstanz

Prof. Dr. med. habil. Ulrich Amon
Internationales Hautarztzentrum DermAllegra

Mitochondriale Gesundheit
Miteinander wurde sehr viel gesprochen an diesem 16. Bodenseekongress – aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln, die gemeinsame Nenner sichtbar werden liessen. Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder die Energiebereitstellung in den Mitochondrien, so zum Beispiel beim Vortrag von Ass. Prof. Dr. rer. nat. Alexander Karabatsiakis (Institut für Psychologie der Universität Innsbruck) über biomolekulare Konsequenzen von chronischem und traumatischem Stress. Eindringlich appellierte er an die Teilnehmenden, auf die mitochondriale Gesundheit zu achten – als Voraussetzung für ein langes, gesundes Leben. In diesem Sinne vollzog er einen Paradigmenwechsel im Umgang mit z.B. traumatischen Stressoren und Depression. Ihm zufolge ist Stress, d.h. auch psychischer Stress, als Notwendigkeit des Körpers zu verstehen, Energie zu verbrauchen. Dies veranschaulichte er am Begriff der Homöostase, die einen physiologischen Gleichgewichtszustand beschreibt: „Ist jemand gestresst, kommt er in eine allostatische Belastung, aus der der Körper das System wieder zurückführen muss. Und dafür braucht er Energie.“ In diesem Zusammenhang motivierte der Wissenschaftler auch darüber nachzudenken, inwiefern die Depression – eine mögliche Folge von Trauma – tatsächlich eine zentrale Erkrankung des Gehirns sei: „Möglicherweise kann die Depression eine bioenergetische Stoffwechselstörung darstellen, die den gesamten Organismus betrifft. Vielleicht dürfen wir erwarten, dass mit der Schwere der Depression die biochemischen Batterien entweder nicht gut geladen werden können oder durch chronische Überbelastung anhaltend in einem reduzierten Zustand laufen. Hierbei ist das Gehirn aufgrund seines hohen Energiebedarfs am anfälligsten für stressbedingte Leistungseinbussen.“ Induziere Stress eine Anpassungsleistung, die Energie erfordere, stellt sich für Karabatsiakis die entscheidende Frage: „Wo kommt diese Energie her und wie können wir sie messen?“ Insbesondere im Umgang mit psychiatrischen Erkrankungen wies der Referent auf Unzulänglichkeiten des konventionellen Systems hin, was auch mit einem Risiko für Stigmatisierung der Betroffenen einhergehe: „Die Kenntnis von biologischen Grundlagen und das Verständnis für das Individuum fehlen. Durch psychischen Stress können Reaktionen auftreten, die die Funktionalität des gesamten Körpers so reduzieren, dass das Leistungsniveau nicht mehr abgerufen werden kann.“

Energieversorgung sicherstellen

Mit seinen fachlichen Ausführungen baute er eine goldene Brücke zum Vortrag von Dr. med. Kurt Mosetter zum Thema „Energiestoffwechsel im Gehirn – Strategien zur Alzheimer- und Demenzprävention“: „Morbus Alzheimer ist eine Energiekrise im Gehirn. Die frühesten Veränderungen zeigen sich, wenn das Gehirn unökonomisch viel Energie verbraucht. Zu viel chronischer Stress und zu wenig Energie – da wird es ernst. Und hier liegt die Gemeinsamkeit von Depression und Alzheimer.“ Für den studierten Humanmediziner und Heilpraktiker ist die Alzheimerdemenz Ausdruck eines Ökosystems, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Im Mittelpunkt steht dabei für ihn der Zuckerstoffwechsel, d.h. die Nervenzelle erhält gar keine oder zu wenig Energie – „vereinfacht gesprochen geht das Licht aus“. Worauf Alexander Karabatsiakis bereits am Beispiel von Trauma und Depression hinwies, kam auch in seinem Beitrag zum Ausdruck: „Bei der konventionellen Behandlung der Alzheimer-Krankheit wurde bislang die Energieversorgung übersehen. Bildlich gesprochen demontiert man das Auto, dabei ist der Tank leer.“ Hoffnung und Zuversicht verbreitete Mosetter, dass Therapie und Behandlung von Alzheimer in der interprofessionellen Zusammenarbeit möglich sind. Ihm zufolge sollten vorbeugende und langfristige Regulationskonzepte an mehreren Stellen der gestörten Energieversorgung ansetzen, wie z.B.:

  • Weniger schnellverdauliche Kohlenhydrate zu sich nehmen, wie z.B. Süssgetränke, Pasta, Pizza – dafür Ernährung nach Glycoplan.
  • Verschiedene gesunde Zucker (z.B. Ribose, Mannose) kennenlernen und raffinierten Zucker reduzieren.
  • Mikronährstoffmangel ausgleichen, z.B. Vitamin D, B-Vitamine, Aminosäuren.
  • Gesunde Fette supplementieren, wie z.B. Kokosöl, Omega-3.
  • Den Körper regelmässig bewegen und so präventiv den Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht bringen.
  • Entstressungsmassnahmen, wie z.B. Yoga, Meditation und Musik.

 

Ass. Prof. Dr. rer. nat. Alexander Karabatsiakis
Institut für Psychologie der Universität Innsbruck

Die dramatische Zunahme von nichtübertragbaren Krankheiten erfordert ein Umdenken und einen Paradigmenwechsel. In Anbetracht explodierender Fallzahlen verdeutlichte SfGU-Präsident Andreas Hefel, dass dieser Gesamtentwicklung mit der konventionellen (Tabletten-)Medizin bislang kein Einhalt geboten werden konnte: „Es erfordert Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen und neue Wahrheiten zu schaffen. Das setzt die Bereitschaft voraus, zu diskutieren und sich eine Meinung zu bilden.“ Nach einem Bericht der WHO haben Depressionen und Angststörungen im Jahr 2020 weltweit um 25% zugenommen – vermehrt auch unter Kindern und Jugendlichen. Prognosen zur Ausbreitung von Demenz­erkrankungen erfordern ebenfalls mutiges und entschlossenes Handeln: Bis 2030 rechnet die WHO mit einer Zunahme um 40 Prozent. Wie am 16. Internationalen Bodenseekongress zu hören war, spielt ein ausgewogener Energiehaushalt eine Schlüsselrolle bei der Prävention und Therapie.

Prof. Dr. Sigrun Chrubasik-Hausmann
Universität Freiburg i. Br.

Das Maximum an Wirkung erzielen
Wie vorzeitige Mortalität wirksam verringert werden kann, erläuterte Assoc. Prof. Dr. Rodrig Marculescu (Allgemeines Krankenhaus der medizinischen Universität Wien) am Beispiel von Vitamin D. Dazu stellte er u.a. die Ergebnisse einer Forschungsarbeit vor, die zwischen 1991 und 2011 an einem grossen Patientenkollektiv mit mehr als 78’000 Patienten an der Medizinischen Universität Wien durchgeführt wurde. „Es zeigte sich, dass Patienten mit einem Vitamin D-Spiegel ≤ 10 nmol/l ein 2- bis 3-fach erhöhtes Sterberisiko aufwiesen. Hingegen war ein Vitamin D-Spiegel ≥ 90 nml/l mit einer um 40% verminderten Gesamtmortalität assoziiert. Was den Einfluss des Alters anbelangt, konnte beobachtet werden, dass die Erhöhung der Sterblichkeit bei Patienten mit Vitamin D-
Mangel im jüngeren und mittleren Lebensalter stärker ausgeprägt war, als in der Gruppe der 60- bis 75-Jährigen“, so der Mediziner. Während das Thema „Vitamin D“ mit oft widersprüchlichen Studienergebnissen polarisiere, herrscht zumindest in einem Punkt Klarheit: „Vitamin D senkt das Risiko, an einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung zu sterben. Das ist mittlerweile auf jedem Evidenzlevel bewiesen.“ Was die Positionierung von Vitamin D anbelangt, ist für Prof. Dr. habil. Ulrich Amon „in den vergangenen Jahrzehnten vieles schiefgelaufen“. Er sprach sich dafür aus, „die Effektivität von Vitamin D zu nutzen“ und schloss sich der Grundbotschaft von Andreas Hefel an: „Wir wollen das Maximum an Wirkung von Vitamin D erreichen. Deshalb: Messen – Machen – Messen.“ Auf die antivirale Wirkung von Polyphenolen ging Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik (Universität Freiburg i.Br.) am Beispiel von Knoblauch, Curcumin, Piperin und Schwarzkümmel ein. Diese von ihr vorgestellten sekundären Pflanzenstoffe werden in der 14. Auflage des Mikronährstoff-Lexikons der SfGU ebenfalls beschrieben („Die wunderbare Welt der Mikronährstoffe“), das die Kongress-Teilnehmer erhielten. Neben neuesten Erkenntnissen im Bereich der Mikronährstoffmedizin nahmen sie auch noch eine persönliche Botschaft von Ulrich Amon mit auf den Heimweg: „Achten wir genau so auf uns, wie wir auf unsere Patienten achten. Wir können uns nur dann um komplexe Themen kümmern, die uns viel Kraft kosten, wenn wir fit und leistungsfähig bleiben!“

Jürgen Kupferschmid, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der SfGU

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Autoimmunerkrankungen – Hoffnung statt Frust!

Autoimmunerkrankungen – Hoffnung statt Frust!

Die weltweite Zunahme von Patienten mit Autoimmunerkrankungen in den letzten 
Jahrzehnten hat zu einer erheblichen Herausforderung für unsere Gesundheitssysteme geführt, sowohl in therapeutischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Ätiologie von Autoimmunkrankheiten ist multifaktoriell und umfasst eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren. Durch zahlreiche verschiedene Mechanismen, darunter die Exposition gegenüber Umweltverschmutzung und Toxinen, die komplexen Mechanismen von Lebensstilfaktoren (z.B. „westliche Ernährung“, Rauchen und Alkoholkonsum, psychosozialer Stress), Infektionen und Dysbiose des Darms, werden komplexe pathogenetische Kaskaden ausgelöst, die zu systemischen oder organspezifischen Autoimmunstörungen führen.

Unabhängig von einem breiten Spektrum an therapeutischen Strategien, die wir unseren Patienten heute anbieten können, sollte stets ein integrativer Ansatz zur Behandlung unser Ziel sein. Obwohl es fraglich ist, ob die pathogenetische Komplexität aller Autoimmunerkrankungen auf einen zentralen oder spezifischen Faktor konzentriert werden kann, mehren sich die Hinweise auf eine wichtige regulatorische Rolle des biologisch aktiven Hormons/Vitamins D [1,25-Dihydroxyvitamin D3; 1,25(OH)2D3] in diesem Zusammenhang. Zahlreiche Arbeitsgruppen, einschliesslich unserer eigenen, haben einen Zusammenhang zwischen dem Serumspiegel von 25(OH)D und zahlreichen Autoimmunreaktionen (z.B. rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Psoriasis, Vitiligo) nachgewiesen. Im Jahr 2013 hat die Gruppe um Cicero Coimbra in São Paulo, Brasilien, erstmals die klinische Wirksamkeit von hochdosiertem Vitamin D3 in Verbindung mit spezifischen Diätanweisungen bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Haut (Psoriasis und Vitiligo) dokumentiert, inzwischen als „Coimbra-Protokoll“ (CP) bezeichnet. Das CP wird mittlerweile weltweit von spezialisierten Ärzten und Therapeuten erfolgreich angewendet, in Deutschland seit 2016. Hinter dem CP steht die Hypothese der nicht erblichen, aber erworbenen Form der Vitamin-D-Resistenz und einer unzureichenden biologischen Aktivität von 1,25(OH)2D3, welche beide durch hohe Dosen von Vitamin D3 überwunden werden können. Der Resistenz liegen sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) innerhalb der Gene des Vitamin-D-Systems zugrunde, PTH-Serumspiegel dienen dabei als wertvolle Biomarker für die Vitamin-D3-Dosierung und ihre Wirkung auf den Calcium-Stoffwechsel.

Unter Einhaltung strikter Vorgaben (z.B. Verzicht auf Milchprodukte, Mindestflüssigkeitszufuhr von 2,5 l/Tag), konsequenter Überwachung von Nierenfunktion und Calciumstoffwechsel lässt sich dieses Behandlungsprotokoll sicher durchführen, wie wir kürzlich erstmals an 319 Patienten in NUTRIENTS publiziert haben.* Die Einbettung des CP unter Berücksichtigung allgemeiner und individueller Co-Faktoren der Mikronährstofftherapie (z.B. Magnesium, Vitamin K2, Vitamin A, usw.), antientzündlicher Ernährung, Lebensstiländerungen und Berücksichtigung auch des Darmmikrobioms führen schliesslich zu einem sehr individualisierten Behandlungskonzept, ähnlich einem Schlüssel-Schloss-Prinzip.

Auf dieser Basis lässt sich bei der ganz grossen Mehrheit der betroffenen Patienten mindestens eine sehr gute Stabilisierung, bei manchen Krankheitsbildern nach unserer Erfahrung auch ein langjähriger Stillstand (Heilung?) erreichen. Dies motiviert Ärzte und Patienten gleichermassen und schlägt einen völlig anderen Weg als die „konventionelle Medizin“ einer rein symptomorientierten Behandlung ein.

Prof. Dr. med. habil. Ulrich Amon
Internationales Hautarztzentrum DermAllegra

Den Vortrag finden Sie in voller Länge in der
SALUSMED®-Mediathek. 

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Kommentar aus Sicht der SfGU:
„Autoimmunerkrankungen nehmen in den Industrie- und Schwellenländern extrem zu. An allen nichtansteckenden chronischen Erkrankungen sind sie direkt oder indirekt beteiligt. Das liegt aber nicht an unseren Genen, da diese sich nicht ohne weiteres verändern lassen, sondern eher an der Epigenetik und damit an unserem Lebensstil. Anfänglich treten unspezifische Symptome auf, wie z.B. Müdigkeit, Depression, erhöhte Infektneigung, Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und andere. Mit einer geeigneten Diagnostik (Blut, Urin, HRV) können Dysbalancen im Stoffwechsel ermittelt werden. Eine ursächliche Behandlung führt nachweislich und messbar zu nachhaltigen Erfolgen – die Beseitigung von Nährstoff- und Mikronährstoffdefiziten, der Neuaufbau 
der Darmflora, die Unterstützung der Lebertätigkeit und Entgiftung, Stressmanagement sowie gleichzeitig die Reduktion von Schadstoffbelastungen. Diese Behandlungsweise erfordert viel Fachwissen vom Therapeuten, die Bereitschaft auch interdisziplinär zu arbeiten und vom Patienten die notwendige Motivation und Ausdauer.“

Andreas Hefel, Präsident der SfGU

Kernthese Nr. 1:
Patienten mit Autoimmunerkrankungen bedürfen sowohl hinsichtlich der Abklärung der Krankheitsursachen als auch bezüglich einer langfristigen Therapie unbedingt eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.

Kernthese Nr. 2:
Die Hochdosistherapie mit Vitamin D hat eine zentrale Bedeutung für die nachhaltige Behandlung von Autoimmunprozessen und kann nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bei korrekter Durchführung als sicher gelten.

*https://www.mdpi.com/2072-6643/14/8/1575

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Einblicke in die psychoneuroimmunologische Biomarker-Forschung: 
Mitochondrienfunktion und Membransteifigkeit

Einblicke in die psychoneuroimmunologische Biomarker-Forschung: 
Mitochondrienfunktion und Membransteifigkeit

Die gesundheitlichen Konsequenzen von chronischem und traumatischem Stress stellen eine stetig wachsende sozioökonomische Belastung dar. Problematisch für das Gesundheitssystem ist, dass die biomolekularen Prozesse, anders als ätiologische Faktoren für Risiko und Resilienz gegenüber Stressbelastungen, schlecht verstanden sind. Als Folge fehlen sowohl Biomarker für die Ätiologie (Prädiktion), Manifestation (Prävention) als auch für die Behandlung (personalisierte Medizin) psychiatrischer Erkrankungen. Die psychoneuroimmunologische (PNI) Forschung konnte vielversprechende Ansätze für die Identifikation klinisch-nutzbarer Marker liefern. Als interdisziplinärer Forschungsbereich betrachtet die PNI das Wechselspiel von Gehirn, Psyche und Immunsystem.

Ein Ansatz für einen Perspektivwechsel ist dabei das Verständnis, wie der Organismus systemisch auf Stress reagiert. Stress wird neu verstanden als die Notwendigkeit des Körpers, Energie zu verbrauchen. Die Energieproduktion des Körpers wird primär von Mitochondrien bereitgestellt, den 
sogenannten Kraftwerken der Zellen. Mitochondrien fungieren als biologische Batterien, deren elektrochemisches Potential in biochemische Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) umgesetzt wird. Forschung im Bereich der PNI konnte nachweisen, dass Immunzellen depressiver PatientInnen eine im Vergleich zu Immunzellen gesunder Personen signifikante Reduktion in der mitochondrialen Energieproduktion zeigen, die zudem auch mit der Schwere der depressiven Symptomatik korreliert. Diese Reduktion geht allerdings nicht auf „dysfunktionale“ Mitochondrien zurück, wie der Eindruck zunächst vermuten lässt. Unter Berücksichtigung der mitochondrialen Dichte – definiert über die Anzahl und Verteilung des mitochondrialen Netzwerks innerhalb der Zellen – zeigte sich ebenfalls eine signifikante Reduktion, die die mitochondrialen Unterschiede von Depression im Vergleich zu gesunden Personen aufhebt und so erklärbar macht.

Erste Studien von Karabatsiakis und Kollegen zu den Behandlungseffekten der Depression auf Mitochondrienfunktion und Dichte in Immunzellen lassen vermuten, dass signifikante Verbesserungen auf Ebene der Membranintegrität beginnen, die durch die mitochondriale Überproduktion von sogenannten freien Radikalen (reactive oxygen species, ROS) ebenfalls belastet wird.

Forschung zu den Effekten von psychischen Belastungen und psychiatrischen Erkrankungen auf die Gesundheit – auch über die Lebensspanne – muss nun intensiviert werden. Als Konsequenz müssen die Befunde in Immunzellen nun auch auf andere funktionelle Systeme des Körpers erweitert werden, darunter das Gehirn als Zentrum von Prozessen wie Kognition, Emotion und Gedächtnis.
Mit dem mitochondrialen Energiestoffwechsel und der Regulation der Mitochondriendichte leiten sich somit zwei vielversprechende, klinisch-applizierbare Biomarker-Kandidaten ab, die einen gänzlich neuen Mechanismus für Stress-assoziierte Beeinträchtigungen des Körpers aufzeigen.

Ass. Prof. Dr. rer. nat. Alexander Karabatsiakis
Institut für Psychologie der Universität Innsbruck

Die beobachtete Veränderung der Membranintegrität hat weitere interdisziplinäre Forschung stimuliert. Jüngste Studien zu biophysikalischen Stress-Konsequenzen zeigen, dass Immunzellen depressiver Patientinnen eine signifikante Versteifung ihrer Zellmembranen aufweisen, die massgeblich verantwortlich sein könnte für viele Prozesse, die für die Depression als pathophysiologisch relevant gelten. Dazu zählen eine veränderte Neurotransmitter-Kinetik sowie jegliche Prozesse, die ebenfalls über die Zellmembran prozessiert und reguliert werden. Auch hier zeigte sich, dass der Versteifungsgrad der Zellmembranen in Abhängigkeit steht zur depressiven Symptomschwere, was die Frage möglicher Interventionen zur Regeneration und Normalisierung der Zellmembran-Integrität aufwirft. Hier scheint unter anderem der Faktor gesunde Ernährung einen wichtigen Beitrag leisten zu können, die Veränderungen der Zellmembran-Fluidität zu kompensieren und bestenfalls zu regenerieren. Besondere Bedeutung hierfür tragen ungesättigte Fettsäuren, die die Membranfluidität erhöhen und somit die Funktionalität der Zellmembran gewährleisten. Inwiefern sich die Beobachtungen auch an Membranen anderer Körperzellen nachweisen lassen, ist Stand aktueller Forschung.

Den Vortrag finden Sie in voller Länge in der
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Kommentar aus Sicht der SfGU:
„Stressbelastungen betreffen uns alle und nicht nur eine Minderheit in der Bevölkerung. Insbesondere die einschränkenden Massnahmen haben seit 2020 dazu geführt, dass Stress und psychische Probleme weltweit zugenommen haben. Die starke Zunahme der Suizidversuche von Jugendlichen verdeutlicht, wie gross die Herausforderung und wie dramatisch die momentane Situation sich darstellt. Heute wissen wir, dass auch solche psychischen Belastungen an nachfolgende Generationen zu deren Nachteil weitergegeben werden. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Die Forschung und Untersuchungen von Ass. Prof. Dr. rer. nat. Alexander Karabatsiakis und seinem Team an der Universität in Innsbruck sind besonders wertvoll. Soweit uns bekannt, wurde Stress erstmals mit einem erhöhten Energiebedarf in Zusammenhang gebracht. Kann dieser erhöhte Energiebedarf nicht durch eine ausreichende Aktivität der Mitochondrien gedeckt werden, kommt es zu Erschöpfungszuständen – zum Beispiel im Gehirn, gefolgt von Depression, was eine Folge von einem Trauma sein kann. Diese Erklärung wird auch von ganz anderer Seite bestätigt, z.B. mit Blick auf das Thema Mobilfunkstrahlung. Eigene Untersuchungen (siehe SfGU-Studien) und neu auch an der Universität in Lübeck zeigten, dass durch Handystrahlung (EMF-Strahlung) Gehirnzellen in messbaren (EEG-Messungen) Stress versetzt werden. Dadurch wird u.a. die Lust auf Kohlenhydrate (Zucker) durch erhöhte Mitochondrienaktivität angekurbelt, was längerfristig zu Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes, silent inflammation) und Übergewicht führen kann.“

Andreas Hefel, Präsident der SfGU

Kernthese Nr. 3:
Die Erforschung psychiatrischer Erkrankungen wie der Depression profitiert von der systemischen Betrachtung gesamtkörperlicher Veränderungen, statt sich primär auf das zentrale Nervensystem zu fokussieren. Die Psychoneuroimmunologie kann hierfür sehr wertvolle Erkenntnisse liefern, auch für eine ganzheitliche Perspektive auf die gesundheitlichen Konsequenzen der Depression.

Kernthese Nr. 4:
Die Psychoedukation von PatientInnen mit psychiatrischen Erkrankungen zu den biologischen Mechanismen von Stress und dessen Konsequenzen kann Stigma, Vorurteil und Vorbehalt reduzieren und dadurch ein wichtiger Schlüssel für Prävention und verbesserte Therapieeffizienz sein.

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Mit Polyphenolen gegen SARS-CoV-2 und Mutanten

Energiestoffwechsel im Gehirn – 
Strategien zur Alzheimer- und Demenzprävention

Knoblauch wirkt gegen viele behüllte Viren antiviral, auch gegen das SARS-CoV2-Virus. 
Die Schwefelverbindungen hemmen das Andocken des Virus an die ACE2-Rezeptoren der Lungenzellen und die Serin-Protease, die den Eintritt in die Zelle ermöglicht. Ausserdem hemmt Knoblauch das Uncoating des Genoms, die Konversion der (–)viralen RNA zur plussträngigen RNA, die Replikation des Virus und die Freisetzung neuer Virionen. Schwefelverbindungen stimulieren die angeborene Immunität und modulieren die erworbene Immunität, die mit zytotoxischen T-Zellen und den spezifischen Antikörpern der B-Zellen infizierte Zellen beseitigen. Knoblauch hemmt die Signalwege, die die Komplikationen triggern und den Zytokinsturm, der ein akutes Lungenversagen auslösen kann. Klinische Studien bei COVID-19-Patienten liegen noch nicht vor. Sie sollten am besten mit einem auf S-Allylcystein standardisierten Produkt aus geruchlosem Knoblauch durchgeführt werden.

Prof. Dr. Sigrun Chrubasik-Hausmann
Universität Freiburg i. Br.

Curcumin und Piperin hemmen ebenfalls das Andocken, Eindringen und die Replikation des SARS-CoV-2-Virus in Lungenzellen. Curcumin hemmt den proentzündlichen Signalweg über NFkB und die Signalwege der Komplikationen: über „Transforming Growth Factor 1ss“ (Lunge), „Dipeptidylpeptidase-4“ (Diabetes) und „Troponin-I-Interacting-Kinase“ (Herz-Kreislauf). Acht exploratorische Studien weisen auf eine Besserung der Symptome, eine Verkürzung der Hospitalisationszeit und weniger Todesfälle durch Curcumin vs. Placebo hin. Auch hatten die Lymphozyten im Serum zu-, die Neutrophilen und das Verhältnis Neutrophile zu Lymphozyten abgenommen. Die T-Helferzellen im Serum nahmen ab und damit die proinflammatorischen Zytokine ex-vivo/in-vitro und im Serum. Unter Curcumin stiegen die Treg-Zellen im Serum an und mit ihnen der Treg Transkriptionsfaktor Forkhead box P3 und die von den Treg-Zellen induzierten antientzündlichen Zytokine. Dies weist darauf hin, dass Curcumin das Ungleichgewicht zwischen den regulatorischen Treg-Zellen und den T-Helferzellen als Ursache des Zytokinsturms und der damit verbundenen Mortalität positiv beeinflussen kann. Konfirmatorische Studien müssen jetzt die Wirkgrösse von Curcumin bei SARS-CoV2-Infektionen ermitteln. Konfirmatorische Studien sollten ein Curcuminpräparat mit hoher Bioverfügbarkeit einsetzen, da die EFSA die Tagesdosis Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln auf 2 mg/kg limitiert hat.

Auch für Schwarzkümmel und seine Leitsubstanz Thymoquinon ist der Wirkungsmechanimus der antiviralen Wirkung gegen SARS-CoV2 weitgehend aufgeklärt. Beide stimulieren und modulieren die humorale und zelluläre Immunantwort und besserten bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen die Lungenfunktion. Fünf exploratorische Studien weisen auf Wirksamkeit hin. Die im Web veröffentlichte Meta-Analyse mit acht Studien erlaubt keine Angabe zur Wirkgrösse des Schwarzkümmels bei der COVID-19-Infektion. Eine Tagesdosis mit < 50 mg Thymoquinon kann sicher angewendet werden. Eigene Untersuchungen zeigen, dass kommerzielle Schwarzkümmelpräparate nur wenig Thymoquinon enthalten. Ein wirkstoffreiches Präparat ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Computersimulationen zeigen, dass viele Pflanzenstoffe mit den Zielgenen der Signalwege interagieren können. Da Polyphenole und andere Pflanzenstoffe die SARS-CoV2-Infektion simultan über mehrere Signalwege bekämpfen, wird vermutet, dass mit einem optimalen Wirkstoff-Cocktail die effektivste Behandlung gegen die SARS-CoV-2-Infektion erzielt werden kann.

Kommentar aus Sicht der SfGU:
 „Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und Polyphenole haben in der Regulationsmedizin zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Wirkungsweisen sind mittlerweile grösstenteils bekannt und reichen von antiviralen und antioxidativen Eigenschaften bis hin zu Faktoren, die einen regenerierenden, verstärkenden, entgiftenden und epigenetischen Einfluss haben. Beim Einsatz dieser pflanzlichen Substanzen sollte allerdings immer und zwingend darauf geachtet werden, dass der Grundbedarf an essentiellen Makro- und Mikronährstoffen (Fettsäuren, Aminosäuren, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente) gedeckt sein muss, damit regulierende Hormone, Enzyme, Leukozyten u.a. vom Stoffwechsel rechtzeitig und am richtigen Ort bereitgestellt werden können. Wir kommen also nicht umhin, auch bei der Gabe von pflanzlichen Stoffen individualisiert und möglichst breit aufgestellt zu arbeiten – basierend auf einer geeigneten Diagnostik. Auch hier gilt: ‚Eine Geige macht noch lange kein Orchester.‘ Nur das Zusammenspiel dieser Substanzen auf unterschiedlichen Ebenen führt zu nachhaltigen Erfolgen.“

Andreas Hefel, Präsident der SfGU

Den Vortrag finden Sie in voller Länge in der
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Kernthese Nr. 5:
Einige Polyphenole sind eine Option bei der Therapie von COVID-Erkrankungen, weil der Wirkungsmechanismus bekannt ist und klinische Studien auf Wirksamkeit weisen.

Kernthese Nr. 6:
Polyphenole sind erst dann eine Option bei der Therapie von COVID-Erkrankungen, wenn in konfirmatorischen Studien ein klinisch relevantes Ergebnis demonstriert wurde.

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Alles Vitamin D

Alles Vitamin D

Die von Frank C. Garland und Cedric F. Garland aus epidemiologischen Überlegungen aufgestellte Hypothese, dass Vitamin D das Risiko für Dickdarmkrebs reduzieren könnte1, hat eine Welle an wissenschaftlichem Interesse an Vitamin D jenseits von dessen klassischer Rolle in der Knochenentwicklung ausgelöst. Kaum ein anderer Mikronährstoff wurde mit solcher Intensität in allen möglichen Zusammenhängen und in allen möglichen Arten von Studien beforscht. Das schiere Ausmass der vorliegenden Literatur macht die Ableitung klarer Aussagen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Vitamin D und das Auffinden verlässlicher praktischer Empfehlungen für den Umgang mit Vitamin D schwierig und wird durch die oftmals vorzufindende Widersprüchlichkeit von Studienergebnissen und Richtlinien der verschiedenen Fachgesellschaften weiter verkompliziert. Nichtsdestotrotz lassen sich bei eingehender Analyse der vorliegenden Daten eindeutige Schlüsse mit hohem Evidenzgrad extrahieren:

  1. Das ursprünglich postulierte Potential von Vitamin D für die Vorbeugung von Krebs und vielen anderen Erkrankungen wurde weitestgehend widerlegt.
  2. Was sich hingegen in unabhängigen hochkarätigen Meta-Analysen von randomisiert kontrollierten Studien mit in Summe an die 100’000 Teilnehmern immer wieder zeigt, ist, dass eine Vitamin D3-Supplementierung Mortalität vorbeugen, in anderen Worten das Leben verlängern kann.2,3 Um ganz klar zu sein: Es handelt sich hier um Interventionsstudien, bei denen eine Gruppe Vitamin D3 und eine zweite vergleichbare Gruppe ein Placebo erhält. Am Ende der mehrjährigen Studiendauer ist die Gesamtmortalität in der Vitamin D3-Gruppe systematisch niedriger. Damit ist Kausalität bewiesen, was im Falle von Vitamin D übrigens auch noch durch eine ganz andere Art von Studien, den sogenannten Mendel’schen Assoziationsstudien, gesichert ist.
  3. Die in den oben erwähnten Meta-Analysen festgestellte positive Wirkung einer Vitamin D-
Supplementierung auf die Lebensdauer widerspiegelt wahrscheinlich nicht das gesamte Potential dieser Intervention, weil die Studienpopulationen relativ alt und die eingesetzten Vitamin D3-Dosierungen meistens relativ gering waren. Eine früh im Leben beginnende und ausreichend hoch dosierte Supplementierung würde den Effekt vermutlich weiter verstärken.
  4. Aus Assoziationsstudien wissen wir, dass 25-Hydroxyvitamin D-Blutspiegel über 75 nmol/L, besser über 100 nmol/L, für eine maximale Reduktion des Mortalitätsrisikos notwendig sind.4 Diese sind für die meisten Menschen nicht, und schon gar nicht durchgehend, ohne Supplementierung erreichbar.
  5. Vitamin D-Toxizität ist selten, aber regelmässig zu beobachten und resultiert praktisch immer aus massiver Überdosierung entweder auf Seiten des Anwenders oder des Supplement-Herstellers. Zur Kontrolle der optimalen Einstellung und Früherkennung eines eventuellen Toxizitätsrisikos erscheinen regelmässige Spiegelbestimmungen (25-Hydroxy-Vitamin D) empfehlenswert.

  6. Die Vitamin D-Richtlinie der Endocrine Society zeichnet sich durch ihre balancierte Bewertung der Evidenz und ihre praxistauglichen Empfehlungen aus.5

Assoc. Prof. Dr. Rodrig Marculescu
Allgemeines Krankenhaus der medizinischen Universität Wien

Literatur:

  1. Garland CF, Garland FC. Do sunlight and vitamin D reduce the likelihood of colon cancer? Int J Epidemiol. 1980;9(3):227-231. doi:10.1093/IJE/9.3.227
  2. Bjelakovic G, Gluud LL, Nikolova D, et al. Vitamin D supplementation for prevention of mortality in adults. Cochrane database Syst Rev. 2014;1:CD007470. doi:10.1002/14651858.CD007470.pub3
  3. Chowdhury R, Kunutsor S, Vitezova A, et al. Vitamin D and risk of cause specific death: systematic review and meta-analysis of observational cohort and randomised intervention studies. BMJ. 2014;348:g1903. doi:10.1136/bmj.g1903
  4. Garland CF, Kim JJ, Mohr SB, et al. Meta-analysis of all-cause mortality according to serum 25-hydroxyvitamin D. Am J Public Health. 2014;104(8):43-50. doi:10.2105/AJPH.2014.302034
  5. Holick MF, Binkley NC, Bischoff-Ferrari H a., et al. Evaluation, Treatment, and 
Prevention of Vitamin D Deficiency: an Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2011;25(July):1-20. doi:10.1210/jc.2011-0385

Kommentar aus Sicht der SfGU:
«Vitamin D ist eine hormonähnliche Substanz mit vielen Eigenschaften, die an den unterschiedlichsten Stoffwechselprozessen beteiligt ist. Zahlreiche Studien belegen seine Bedeutung. Aber auch hier macht die Dosis den entscheidenden Unterschied. Je nachdem, was genau erreicht werden soll, z.B. `Therapie´, `Auffüllen des Vitamin D-Spiegels´ oder `Erhaltung eines vorgegebenen Werts´, können die Dosierungen beträchtlich variieren. Zudem haben wir an eigenen Untersuchungen und Studien festgestellt, dass die Aufnahme und Verarbeitung von Vitamin D im Stoffwechsel sehr individuell sind, was somit auch berücksichtig werden muss. Deshalb gilt auch hier: Um Vitamin D wirksam und gezielt einsetzen zu können, brauchen wir vorab eine eindeutige Messung des Vitamin D-Spiegels im Blut sowie nach einiger Zeit eine entsprechende Kontrolle. Da die gemessenen Werte je nach Messverfahren und Labor unterschiedlich sein können, empfehlen wir bei Kontrollmessungen das gleiche Labor zu beauftragen. Aber auch hier gilt zwingend: Vitamin D sollte nicht als Monopräparat eingenommen werden! Das erhöht zwar den Vitamin D-Spiegel im Serum, die erwünschten biochemischen Abläufe können ohne die Aktivierung von Co-Faktoren durch alle essentiellen Mikronährstoffe aber nicht in Gang gesetzt werden. Erst eine ausgewogene Grundversorgung an Mikronährstoffen, Amino- und Fettsäuren garantiert auch biochemisch optimale Abläufe auf den unterschiedlichen Stoffwechselebenen. Es erstaunt uns immer wieder, dass diese `Binsenwahrheit´ in der Schulmedizin und von vielen Therapeuten noch immer nicht umgesetzt wird – zum Nachteil des Patienten.»

Andreas Hefel, Präsident der SfGU

Kernthese Nr. 7:
Es gibt umfassende und hochwertige wissenschaftliche Evidenz dafür, dass eine suffiziente Vitamin D-Versorgung das Leben verlängert.

Kernthese Nr. 8:
Eine suffiziente Vitamin D-Versorgung (25-Hydroxy-Vitamin D-Blutspiegel über 75 nmol/L, besser über 100 nmol/L) ist kaum ohne Supplementierung möglich. Als Richtlinie dafür werden die Empfehlungen von Michael F. Holick et al. vorgeschlagen.*

* In: „Evaluation, Treatment, and Prevention of Vitamin Deficiency: an Endocrine Society Clinical Practice Guideline“, The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, June 2011 und zwar die hierin als „tolerable upper intake level, UL“ bezeichneten Dosierungen, Tabelle 3, letzte Spalte ganz rechts. Die gesamte Publikation ist über ResearchGate frei vefügbar:
https://www.researchgate.net/publication/51196545_Evaluation_Treatment_and_Prevention_of_
Vitamin_D_Deficiency_an_Endocrine_Society_Clinical_Practice_Guideline

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Energiestoffwechsel im Gehirn – 
Strategien zur Alzheimer- und Demenzprävention

Energiestoffwechsel im Gehirn – 
Strategien zur Alzheimer- und Demenzprävention

Neurotoxische Plaques, ss-Amyloid, Neurofibrillen, Ammoniak sind nicht die primären Ursachen, sondern die letzten biologischen Folgen der komplexen Stoffwechselentgleisung. Polyätiologische Faktoren und Zivilisationsfaktoren leiten die Alzheimer-Erkrankung Jahrzehnte vor der Diagnosestellung ein. Entgegen alten Vorstellungen, dass Gene und bestimmte Ablagerungen die Ursache für die Alzheimer-Erkrankung darstellen würden, weist die aktuelle Datenlage daraufhin, dass diese Erkrankung nicht im Kopf beginnt. Die Plaques sind die Folge eines entgleisten Energiestoffwechsels. Führende Forscherteams aus unterschiedlichen Fachdisziplinen belegen, dass die folgenden Aspekte entscheidende ursächliche Schrittmacher für die Alzheimer-Demenz sind: das Microbiom zum Metabolom, die Mitochondrien, Zucker und Stoffwechselentzündungswege, Umweltgifte, Schwermetalle, hohe Spiegel von Stresshormonen, körperliche Inaktivität, Fettsäuren- und Aminosäurenmangel, Mineralstoff- und Vitaminunterversorgungen. Diese unterschiedlichen Belastungsfaktoren münden in oxidativen und nitrosativen Stress mit Inflammation und Intoxikation.

Dr. med. Kurt Mosetter
ZiT – Zentrum für interdisziplinäre Therapien, Konstanz

Ein zentraler Mechanismus ist der Energiestoffwechsel im Gehirn. Wenn der Energieträger Glucose nicht mehr richtig verwertet werden kann und nicht mehr in die Nervenzellen gelangt, entsteht im Zellinneren eine Hungersnot. Gleichzeitig führt die Hyperglykämie und der überschüssige Zucker an den Bindestellen der Zellaussenwand zur Glykierung, es entsteht eine Insulinresistenz. Während die Mechanismen der Insulinresistenz und die darauf aufbauenden Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Metabolisches Syndrom, Adipositas und die NAFLD schon lange bekannt sind, etabliert sich die Thematik „Zuckerkrankheit Alzheimer“ erst allmählich. Eine Vielzahl der ursächlichen Belastungskaskaden zeigt sich früh im metabolischen Profil. Die folgenden Labormarker sind dabei ausschlaggebend und erlauben frühe Einblicke in Risikofaktoren: HbA1c, g-GT, ALAT, Harnsäure, TG, Cholesterin, HOMA Index.

Die antientzündlichen und neuroregenerativen Wirkungen sollen über die Verbesserung der Muster der metabolischen Profile untersucht und im Detail nachgewiesen werden. GALILEO-Training, Muskel-Faszien-Längentraining mit KID (Kraft in der Dehnung), sowie ernährungsmedizinische Strategien mit Natural Eating & Glycoplan (mit individualisierter Supplementation entsprechender Defizite) bieten weitreichende Hilfe zu Selbstregulation und Reparatur. Der Bereich Psychohygiene mit Achtsamkeit, Meditation oder Yoga bietet zusätzliche Interventionsmöglichkeiten mit starken Wirkungen. Im Miteinander von Pflege, ärztlicher Versorgung, Ernährungsmedizin, Mikronährstoffsupplementation, Physiotherapie, Behandlung und Bildung für alle Beteiligten, inklusive der Angehörigen, wird die praktische Umsetzung tatsächlich machbar.

Den Vortrag finden Sie in voller Länge in der
SALUSMED®-Mediathek. 

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Kommentar aus Sicht der SfGU:
„Der Energiestoffwechsel und eine bedarfsgerechte Versorgung der Körperzellen mit Energie – notwendigerweise Rund-um-die-Uhr – ist die Basis für Gesundheit, Lebensqualität und ein langes Leben. Ohne ausreichende Energieversorgung kommt es zu überschiessenden Entzündungsreaktionen, mangelnden Entgiftungs- und Regenerationsleistungen des Körpers und der Zellen (keine Autophagie!) sowie schlussendlich zu Erschöpfungserscheinungen und Stoffwechselstörungen. Die steigenden Stress- und Umweltbelastungen (Schadstoffe, Medikamente, Elektrosmog u.a.) führen zu einem enormen zusätzlichen Energiebedarf, der kurzfristig und üblicherweise mit schnell verdaulichen Kohlenhydraten (Zucker – primär in Fast Food, Energydrinks, Chips, Süssigkeiten, aber auch in modernen Obstsorten und der sogenannten ‚Zivilisationskost‘) über die Ernährung gedeckt wird. Der daraus folgende rasche Anstieg von Blutzucker und Insulin führt zwar kurzfristig zu einem Energieschub. Die Aktivitäten der Mitochondrien werden aber explosionsartig hochgefahren und die Energie verpufft buchstäblich. Dies führt zu einer baldigen Unterzuckerung, zu Energiemangel und einer Schädigung der Mitochondrien. Eine Insulinresistenz verstärkt die Dysbalance im Körper. Die Folgen daraus sind bekannt in Form der nicht ansteckenden chronischen Erkrankungen, was bis hin zu Demenz und Alzheimer führen kann. Die Basis für einen optimalen Energiestoffwechsel wäre auch hier eine möglichst ausgewogene ‚slow food‘-Ernährung mit ca. 30% (kcal) Fett, 30% (kcal) Eiweiss und 40% (kcal) Kohlenhydraten – kombiniert mit wasserlöslichen Ballaststoffen (Guar, Konjak) zur verzögerten Aufnahme von Zucker ins Blut sowie einer ausreichenden Zufuhr von Mikronährstoffen (Messen – Machen – Messen).“

Andreas Hefel, Präsident der SfGU

Kernthese Nr. 9:
Eine Vielzahl von Belastungen innerhalb mehrerer Systemebenen führen miteinander zur Alzheimer-Demenz. Aktuelle Daten belegen, dass „Präklinische Veränderungen“ bereits 20–30 Jahre vor der Erkrankung eine grosse Rolle spielen. Früh genug, richtig erfasst und gedeutet, leiten sich erfolgreiche Präventionsmassnahmen ab.

Kernthese Nr. 10:
Prävention, Früherkennung, Monitoring von Microbiom-Metabolom Parametern machen Frühintervention möglich. Mehrdimensional ausgerichtete Therapieansätze in interdisziplinären Behandlungsteams eröffnen neue Wege, die Alzheimer- und Demenz-Pandemie abzufedern.

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Die 10 Kernthesen der Referierenden im Überblick

Die 10 Kernthesen der Referierenden im Überblick

Prof. Dr. med. habil. Ulrich Amon
Kernthese Nr. 1:

Patienten mit Autoimmunerkrankungen bedürfen sowohl hinsichtlich der Abklärung der Krankheits-ursachen als auch bezüglich einer langfristigen Therapie unbedingt eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.

Kernthese Nr. 2:
Die Hochdosistherapie mit Vitamin D hat eine zentrale Bedeutung für die nachhaltige Behandlung von Autoimmunprozessen und kann nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bei korrekter Durchführung als sicher gelten.

Ass. Prof. Dr. rer. nat. Alexander Karabatsiakis
Kernthese Nr. 3:

Die Erforschung psychiatrischer Erkrankungen wie der Depression profitiert von der systemischen Betrachtung gesamtkörperlicher Veränderungen, statt sich primär auf das zentrale Nervensystem zu fokussieren. Die Psychoneuroimmunologie kann hierfür sehr wertvolle Erkenntnisse liefern, auch für eine ganzheitliche Perspektive auf die gesundheitlichen Konsequenzen der Depression.

Kernthese Nr. 4:
Die Psychoedukation von PatientInnen mit psychiatrischen Erkrankungen zu den biologischen Mechanismen von Stress und dessen Konsequenzen kann Stigma, Vorurteil und Vorbehalt reduzieren und dadurch ein wichtiger Schlüssel für Prävention und verbesserte Therapieeffizienz sein.

Prof. Dr. Sigrun Chrubasik-Hausmann
Kernthese Nr. 5:
Einige Polyphenole sind eine Option bei der Therapie von COVID-Erkrankungen, weil der 
Wirkungsmechanismus bekannt ist und klinische Studien auf Wirksamkeit weisen.

Kernthese Nr. 6:
Polyphenole sind erst dann eine Option bei der Therapie von COVID-Erkrankungen, wenn in konfirmatorischen Studien ein klinisch relevantes Ergebnis demonstriert wurde.

Assoc. Prof. Dr. Rodrig Marculescu
Kernthese Nr. 7:

Es gibt umfassende und hochwertige wissenschaftliche Evidenz dafür, dass eine suffiziente Vitamin D-Versorgung das Leben verlängert.

Kernthese Nr. 8:
Eine suffiziente Vitamin D-Versorgung (25-Hydroxy-Vitamin D-Blutspiegel über 75 nmol/L, besser 
über 100 nmol/L) ist kaum ohne Supplementierung möglich. Als Richtlinie dafür werden die Empfehlungen von Michael F. Holick et al. vorgeschlagen.

Dr. med. Kurt Mosetter
Kernthese Nr. 9:

Eine Vielzahl von Belastungen innerhalb mehrerer Systemebenen führen miteinander zur Alzheimer Demenz. Aktuelle Daten belegen, dass „Präklinische Veränderungen“ bereits 20–30 Jahre vor der Erkrankung eine grosse Rolle spielen. Früh genug, richtig erfasst und gedeutet, leiten sich erfolgreiche Präventionsmassnahmen ab.

Kernthese Nr. 10:
Prävention, Früherkennung, Monitoring von Microbiom-Metabolom Parametern machen 
Frühintervention möglich. Mehrdimensional ausgerichtete Therapieansätze in interdisziplinären Behandlungsteams eröffnen neue Wege, die Alzheimer- und Demenz-Pandemie abzufedern.

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Mikronährstoffmedizin am Puls der Wissenschaft

Mikronährstoffmedizin am Puls der Wissenschaft

Absolventen des Masterstudiengangs Mikronährstofftherapie & Regulationsmedizin an der FHM Bielefeld stellten am 16. Internationalen Bodenseekongress die Ergebnisse ihrer Masterarbeiten vor. Die Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) unterstützt diese evidenzbasierten Studien, indem sie den Einsatz individueller Mikronährstoffmischungen ermöglicht und den fachlichen Austausch fördert.

Mit Know-how und finanziellen Mitteln leistete die Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) einen Beitrag, dass an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld der erste Masterstudiengang Mikronährstofftherapie & Regulationsmedizin verwirklicht werden konnte. Unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Elmar Wienecke wurde damit im Oktober 2017 ein Meilenstein in der Gesundheitsmedizin gesetzt: Die seither an der FHM gelehrte Regulationsmedizin ist damit zur allgemein anerkannten Lehre geworden. Als Zertifikatsstudiengang kann sie z.B. auch innerhalb der Schulmedizin der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten dienen.

Als Pionier auf dem Gebiet der Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin wurde Wienecke von der SfGU am 12. Internationalen Bodenseekongress im Jahr 2017 für seine herausragende Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie deren praktische Anwendung mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Bislang haben vier Jahrgänge das Masterstudium erfolgreich abgeschlossen. Dabei sind 30 Masterarbeiten sowie 37 „SiP“-Arbeiten (Studium in der Praxis) entstanden, die von der SfGU gefördert werden. Sie ermöglicht den Einsatz individueller Mikronährstoffmischungen, deren Wirksamkeit im Rahmen dieser Arbeiten untersucht wird. Ebenso bietet sie mit dem Bodenseekongress eine Plattform, um die Fragestellungen und Ergebnisse dieser retrospektiven evidenzbasierten Studien zu präsentieren.

Die Masterarbeiten werden in einer Schriftenreihe der FHM vorgestellt, die auf der Website der Fachhochschule heruntergeladen werden können: www.fh-mittelstand.de/publikationen

Am Bodenseekongress 2022 wurden dazu drei Kurzvorträge gehalten. Die folgenden Zitate stammen aus den Masterarbeiten:

Die Vorträge in voller Länge finden Sie in der
SALUSMED®-Mediathek. 

Kinderwunsch
Magnesium
Pollen- und Hausstauballergie

Der Einfluss von individualisierten Mikronährstoffrezepturen auf körpereigene Regulationssysteme bei Personen mit Kinderwunsch – Ergebnis einer evidenzbasierten retrospektiven Interventionsstudie
Renée Lohbusch

„Die Ergebnisse zeigen zu Beginn der Studie bei allen Teilnehmern deutliche Defizite relevanter Mikronährstoffe, die mit Schilddrüsenwerten ausserhalb des Wohlfühlbereiches und einem angespannten Organismus einhergehen, der nicht regenerationsfähig ist. Bereits nach 24 Wochen individueller Supplementation haben sich diese Werte bei allen Probanden deutlich stabilisiert und nach 36 Wochen weiter gefestigt.“

„Es zeigt sich ein signifikanter Anstieg der relevanten Blutparameter für Vitamine, Fettsäuren, Mineralien und Spurenelementen bei allen Probanden und damit einhergehend die deutliche Regulation von Schilddrüse und vegetativem Nervensystem und anschliessendem Eintritt einer erfolgreichen Schwangerschaft.“

„Bei unerfülltem Kinderwunsch können körpereigene Regulationssysteme, basierend auf fehlenden Mikronährstoffen, aus dem Gleichgewicht sein – ein gestresster Organismus lässt möglicherweise eine Schwangerschaft nicht zu, dies sollte bei unerfülltem Kinderwunsch immer frühzeitig kontrolliert und reguliert werden.“

„Bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch sollten immer auch relevante Blutparameter kontrolliert und leere Speicher gezielt aufgefüllt werden, bevor tiefgreifende Interventionen in Betracht gezogen werden. Fehlen dem Organismus relevante Stoffe, kann es sein, dass er eine Schwangerschaft nicht zulässt, bzw. die Spermien- oder Eizellenqualität nicht ausreichend ist, sodass sich eine erfolgreiche Schwangerschaft einstellen kann.“

Der Einfluss von oral supplementiertem Magnesium (dreimal 200 mg täglich) auf die Balance des vegetativen Nervensystems und die Lebensqualität mit Hilfe der Parameter der 24-Stunden-HRV-Messung im Rahmen einer doppelblind, randomisierten, Placebo-kontrollierten Cross-Over-Studie
Felix Euchner

„Durch die Gabe von dreimal täglich 200 mg Mg kam es zu einer signifikanten Steigerung von pNN50, einem signifikanten Abfallen des SI sowie einer signifikanten Reduktion der LF/HF-Ratio im Vergleich zur Kontrollgruppe. Damit konnte gezeigt werden, dass mit Hilfe von Mg die parasympathische Aktivität gesteigert (pNN50), der Sympathikus gehemmt (SI, LF/HF-Ratio) und darüber hinaus das VNS ausbalanciert (LF/HF-Ratio) werden kann. Die Veränderungen der HRV-Parameter galten sowohl für die Gesamtwerte, den Tag als auch die Nacht.“

„Die Notwendigkeit der Gabe von Mg zeigt sich auch durch die Verschlechterung der Parameter auf das Ausgangsniveau nach einer dreiwöchigen Supplementierungspause. Eine durchgehende Einnahme von Mg kann daher ratsam sein. Auch die über den Tag verteilte dreimalige Einnahme von Mg scheint Vorteile in Bezug auf das VNS gegenüber einer einmaligen Tagesdosis zu haben.“

„Im Rahmen einer Supplementierung mit Mg und der damit aufgezeigten Regulierung des VNS sollte es bei Personen mit einer überschiessenden Stressantwort zu einer verbesserten Reaktion auf Stressoren kommen. Allerdings zeigten im Zusammenhang mit der dargestellten Studie die Probanden keine signifikanten Veränderungen im subjektiven Empfinden des psychischen wie auch vegetativen Wohlbefindens. (…) Allerdings konnte durch die signifikanten Veränderungen der HRV- Parameter nachgewiesen werden, dass die Supplementierung mit Mg positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben sollte.“

Der Einfluss von Mikronährstoffen auf die Pollen- und Hausstauballergie – eine retrospektive Interventionsstudie
Nina Kunz, stellvertretend vorgestellt von Prof. Dr. Elmar Wienecke

„Die erhobenen Daten zeigen dabei eindeutig, dass eine Mikronährstoffkombination mit den Vitaminen C, D, E und B12, Zink und Selen, Glutamin, Arginin und Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) zu einer signifikanten Reduzierung der allergischen Beschwerden um 16% führen kann. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass die Mikronährstoffkonzentrationen im Blut signifikant stärker ansteigen und auch die Beschwerden durch die Allergien signifikant und deutlich stärker gelindert werden können, wenn zusätzlich zur Supplementierung mit Mikronährstoffen die Ernährung umgestellt wird. In diesem Fall reduzieren sich die allergischen Beschwerden um 98%.“

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